Glycin und Ginkgo bei MS

Glycin – Die bescheidene Aminosäure mit Potenzial

Was ist Glycin?

Glycin ist die kleinste und eine der einfachsten Aminosäuren. Sie wird vom Körper selbst gebildet und kommt in vielen Eiweißquellen (z. B. Gelatine, Fleisch, Fisch) vor. Neben ihrer Rolle als Baustein von Proteinen wirkt Glycin im zentralen Nervensystem auch als hemmender Neurotransmitter, ähnlich wie GABA.

Warum ist Glycin bei MS interessant?

In Tiermodellen für MS (wie der sogenannten EAE – experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis) hat Glycin verschiedene vielversprechende Wirkungen gezeigt:

  • Entzündungshemmung: Glycin kann die Aktivierung von Immunzellen (z. B. Makrophagen und T-Zellen) dämpfen und so überschießende Immunreaktionen regulieren.
  • Neuroprotektion: Durch seine hemmende Wirkung auf Nervenzellen kann Glycin möglicherweise Übererregung im Nervensystem abmildern, was langfristig schützend wirkt.
  • Oxidativer Stress: Glycin wird für die Bildung von Glutathion benötigt – einem der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien.

Gibt es Studien am Menschen?

Leider sind die klinischen Daten bei MS-Patient:innen sehr begrenzt. Zwar gibt es Untersuchungen zu Glycin bei anderen entzündlichen oder neurodegenerativen Erkrankungen, aber speziell für MS fehlt noch eine fundierte Studienlage.

Ist Glycin sicher?

Ja – in normalen Dosen (z. B. bis 3 g pro Tag) ist Glycin gut verträglich. In höheren Mengen kann es bei manchen Menschen zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Wichtig ist: Glycin sollte nicht als alleinige Therapie verwendet werden, sondern allenfalls begleitend zur schulmedizinischen Behandlung.


🌿 Ginkgo biloba – Der Baum mit der langen Geschichte

Was ist Ginkgo biloba?

Ginkgo biloba ist eine der ältesten Pflanzenarten der Welt. In der traditionellen chinesischen Medizin wird Ginkgo seit Jahrhunderten eingesetzt, vor allem zur Förderung der Durchblutung und geistigen Leistungsfähigkeit.

Ginkgo-Extrakte (standardisiert auf Flavonoide und Terpenlaktone) sind in vielen Ländern als pflanzliches Arzneimittel zugelassen, insbesondere zur Unterstützung bei altersbedingten kognitiven Einschränkungen.

Ginkgo bei MS – Was sagt die Forschung?

1. Kognitive Funktionen

MS kann zu Konzentrationsstörungen, Gedächtnisproblemen und geistiger Verlangsamung führen. Hier scheint Ginkgo biloba Potenzial zu haben:

  • Einzelne kleinere Studien zeigen, dass Ginkgo-Extrakte (z. B. EGb 761) kognitive Symptome bei MS positiv beeinflussen können.
  • Die Wirkung ist nicht spektakulär, aber messbar – besonders bei leichter bis moderater Beeinträchtigung.

2. Fatigue (Erschöpfung)

Fatigue ist eines der häufigsten und belastendsten Symptome bei MS. In Bezug auf Ginkgo sind die Studien hier widersprüchlich:

  • Einige zeigen einen kleinen positiven Effekt,
  • andere keine statistisch signifikante Verbesserung.

Trotzdem berichten manche Betroffene in der Praxis über eine leichte Erleichterung – möglicherweise durch die verbesserte Mikrozirkulation und antioxidative Wirkung.

3. Weitere mögliche Wirkungen

  • Antioxidativ: Ginkgo kann freie Radikale abfangen und so Zellen schützen – ein interessanter Aspekt bei chronisch-entzündlichen Prozessen wie MS.
  • Neuroprotektion: Tierstudien legen nahe, dass Ginkgo Nervenzellen vor degenerativen Prozessen bewahren kann.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Ginkgo ist grundsätzlich gut verträglich, aber es gibt ein paar Dinge zu beachten:

  • Blutverdünnung: Ginkgo kann die Blutgerinnung beeinflussen – Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von Aspirin, Ibuprofen oder Blutverdünnern wie Marcumar.
  • Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen sind seltene Nebenwirkungen.

Wichtig: Nur standardisierte Ginkgo-Präparate verwenden – und keine rohen Samen oder selbst gesammelten Blätter!


🧾 Fazit – Was bringt Glycin und Ginkgo bei MS wirklich?

Beide Substanzen sind keine Wundermittel, aber sie bieten interessante ergänzende Optionen:

SubstanzPotenzielle Vorteile bei MSEvidenzlageSicherheit
GlycinEntzündungshemmend, neuroprotektivTiermodelle, begrenzt beim MenschenHoch bei moderater Dosierung
GinkgoKognition, Fatigue, antioxidativGemischt, kleine StudienGut, aber Vorsicht bei Blutverdünnern

💡 Empfehlung:

Wenn du überlegst, Glycin oder Ginkgo als Ergänzung zu deiner MS-Therapie einzusetzen:

  • Sprich zuerst mit deinem Neurologen oder einer MS-Fachkraft!
  • Achte auf hochwertige Produkte (bei Ginkgo: standardisierter Extrakt wie EGb 761).
  • Dokumentiere die Wirkung für dich – nicht jeder reagiert gleich.

👉 Bitte beachte: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen oder bevor du Nahrungsergänzungsmittel einnimmst, konsultiere bitte deine Ärztin oder deinen Arzt.

🙏 Jeder Mensch mit MS ist einzigartig – was dem einen hilft, wirkt beim anderen vielleicht gar nicht. Daher gilt: Gut informiert entscheiden und auf den eigenen Körper hören.

Beste Grüße,

Andrea Anna

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